Die Folgen der Leitzinssenkung

Der Einlagensatz, zu dem Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank parken können, wird sogar auf unter Null gedrückt, genauer gesagt auf minus 0,10 Prozent. Banken müssen also zukünftig dafür zahlen, wenn sie bei der EZB Geld anlegen. Wir zeigen auf, welche Auswirkungen beide Entscheidungen für Sparer und Kreditnehmer, für Banken und Unternehmen, aber auch für den Wechselkurs des Euro haben können.

Mit zeitlicher Verzögerung wird die Leitzinssenkung Auswirkungen auf die Sparzinsen der Kunden haben. Auch die Kreditzinsen, die Verbraucher zahlen müssen, könnten fallen. Erfahrungsgemäß sinken die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld relativ schnell. Bis die Zinssenkung auch bei den Krediten ankommt – wenn sie überhaupt dortankommt – kann es aber noch eine Weile dauern.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Schon seit einigen Jahren liegt die Inflationsrate höher als der Zinssatz, den Verbraucher für sichere Geldanlagen wie zum Beispiel ein Sparbuch oder ein Tagesgeldkonto bekommen. Banken und Sparkassen können sich noch günstiger bei der Zentralbank Geld besorgen. Damit sind sie noch weniger als bisher auf die Einlagen der Kunden angewiesen. Anleger müssen deshalb damit rechnen, sich zukünftig mit noch niedrigeren Zinsen zufrieden geben zu müssen.

Problem

Aktuell liegt die Inflationsrate zwar bei knapp einem Prozent – der Zinssatz für Tagesgelder und kurzfristige Festgelder aber auch. Selbst wer sein Geld für knapp drei Jahre anlegen will, hat Probleme, ein Angebot für eine sichere Geldanlage zu finden, die einen Zinssatz von 1,5 Prozent oder mehr bietet. Mit sicheren Geldanlagen schaffen Verbraucher daher aktuell bestenfalls einen Inflationsausgleich. Bei vielen Banken und Sparkassen müssen sie aufgrund der geringen Habenzinsen sogar reale Verluste hinnehmen, da die Inflationsrate höher ist als der Nominalzins der Geldanlage.

Tipp

Verbraucher sollten prüfen, ob sie auf Basis ihrer Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit einen Teil ihres Vermögens in andere Produktklassen investieren können und wollen. Welche Anlageformen in Frage kommen kann, hängt vom Einzelfall ab.

Wer weiterhin sein Geld ausschließlich sicher anlegen will, kann höhere Zinsen nur dann bekommen, wenn er sein Geld fest für viele Jahre anlegt. Wir raten das Geld so lange anzulegen, bis es wieder verfügbar sein muss. Wer auf einen Teil des Geldes einige Jahre verzichten kann, sollte sich höhere Zinsen für langjährige Sparbriefe sichern. Wer auf steigende Zinssätze hofft, kann mit Tagesgeldkonten und kurzlaufenden Festgeldkonten flexibler bleiben.

Das Geld so zu parken und zu hoffen, dass die Zinsen bald steigen, ist jedoch ein Kalkül mit ungewissem Ausgang. Auch eine Mischung von kurz- und langfristigen Anlagen kann eine Alternative sein. Sparer können beispielsweise einen Teil des Geldes für ein Jahr anlegen, einen weiteren Teil für drei Jahre und so weiter. Damit stehen einerseits immer freie Beträge zur Verfügung, andererseits partizipiert ein Teil des Geldes von höheren längerfristigen Zinsen.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Kreditnehmer?

Wer für einen bestimmten Zeitraum ein Darlehen mit einem festen Zins vereinbart hat, für den ändert sich zunächst nichts. Erst nach Ablauf der Zinsbindung könnte sich für ihn die erfolgte Leitzinssenkung aufgrund des möglicherweise gesunkenen Marktzinsniveaus auswirken.

Anders bei Krediten mit variablen Zinsen: Hier kann die Bank reagieren und den Zins nach unten anpassen. Ob und wann sie das tut, hängt allerdings von der jeweiligen Bank ab.

Dispositionskredit

Wer seinen Dispositionskredit zeitweilig oder regelmäßig in Anspruch nimmt, zahlt eventuell bald weniger Zinsen. Denn Banken und Sparkassen haben die Höhe ihrer Dispozinsen fest an einen Referenzzins gekoppelt. Dies kann beispielsweise ein Leitzins der EZB oder der Euribor sein. Die Kreditinstitute müssen die Zinsen nun zeitnah senken.

Allerdings müssen sie nicht jede Änderung weitergeben. Dies ist möglich, wenn sie in ihren Bedingungen eine Mindeständerung des Referenzzinssatzes – die sogenannte Anpassungsschwelle – vorgegeben haben und die aktuelle Änderung des Leitzinses darunter liegt.

Tipp

Der Dispositionskredit ist viel zu teuer, um ihn regelmäßig in Anspruch zu nehmen. Denn die Dispozinsen sind zum Teil immer noch extrem hoch – auch eine Anpassung seitens der Bank aufgrund der Leitzinssenkung wird daran wenig ändern. Statt ihr Girokonto dauerhaft zu überziehen, sollten Verbraucher besser einen deutlich preiswerteren Ratenkredit abschließen. Alternativ können sie prüfen, ob der Kredit mit angespartem Guthaben abgelöst werden kann. Denn Kreditzinsen sind in der Regel höher als Sparzinsen.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Häuslebauer?

Wer bald eine Immobilie erwerben möchte, für den kann die erneute Leitzinssenkung vorteilhaft sein. Die Bauzinsen sind schon seit längerer Zeit auf einem historisch niedrigen Niveau. Möglicherweise sinken sie jetzt aber noch einmal. Zumindest aber sollten Betroffene nichts überstürzen. Das Eigenheim ist nicht ohne Risiko und der Effekt günstiger Kredite kann rasch durch zu hohe Preise wieder zunichte gemacht werden.

Tipp

Die Finanzierung einer Immobilie dauert in der Regel mehrere Jahrzehnte. Daher sollten sich Immobilienerwerber ausreichend Zeit nehmen, um das für sie passende Angebot zu finden. Empfehlenswert ist es, den Tilgungsverlauf in verschiedenen Varianten durchzurechnen, mit und ohne Sondertilgungen sowie mit langer und kurzer Zinsbindung. Wichtig: auch eine schuldenfreie Immobilie kostet wegen erforderlicher Sanierungsaufwendungen weiterhin Geld..Das sollte man bei der Tilgungsplanung berücksichtigen.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für bestimmte Produktklassen?

Anleihen

Mit Anleihen finanzieren Staaten, Banken und Unternehmen bestimmte Investitionen. Die Leitzinssenkung könnte durchaus Auswirkungen auf den Zinssatz von Anleihen haben. So könnte es sein, dass der Staat für zukünftige Schulden weniger Zinsen bezahlen muss. Das entscheidende Kriterium bei Anleihen ist für Anleger allerdings nicht der Zinssatz, sondern das sogenannte Emittentenrisiko. Hinter diesem Begriff verbirgt sich das Risiko, dass Anleger im Fall der Insolvenz des Emittenten das eingesetzte Kapital vollständig verlieren können. Anleger sollten daher genau schauen, wem sie das Geld leihen. Grundsätzlich gilt: je höher der Zinssatz, desto höher das Risiko.

Aktien

Wer sein Vermögen breit streut, kommt an Aktien kaum vorbei. In dem Fall sind Aktienfonds vorteilhafter als der Erwerb von Einzelaktien, da hier schon eine Streuung vorgenommen wird. Die Leitzinssenkung hat hier keine direkten Auswirkungen auf Aktien. Intention der Leitzinssenkung ist allerdings unter anderem, dass die Wirtschaft angekurbelt werden soll. Preiswerte Kredite sollen zu neuen Investitionen beitragen. Bei Aktien muss man immer damit rechnen, dass die Kurse auch einbrechen können. Langfristig können Aktien eine interessante Form der Geldanlage sein, da hier hier im Vergleich zu sicheren Anlageformen höhere Erträge winken.

Diese Wirkungskette ist allerdings keine Einbahnstraße. Tritt der erhoffte Effekt nicht ein, sind auch starke Kurskorrekturen nach unten möglich.

Lebensversicherungen

Versicherungsgesellschaften legen einen bedeutenden Teil des Kapitals in Anleihen an, die in Euro notiert sind. Wenn die Gesellschaften jetzt neue Anleihen kaufen, könnten diese geringer verzinst sein als vorher. Sinkende Zinsen bedeuten sinkende Erträge auch für die Versicherten.

Gold

Wer sein Kapital zum Teil in Edelmetalle wie Gold investiert, erhält weder Zinsen noch Dividenden. Der Ertrag hängt ausschließlich von der Entwicklung des Goldkurses und – da der Goldkurs in US-Dollar notiert – von der Entwicklung des Wechselkurses des Euro zum US-Dollar ab.

Quelle.VZ BW

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